Experten-Tipps für den PC-Eigenbau und Case Modding von L3P

Highlights:

  • Modding im Vergleich zu Eigenbau

  • Workspace und Tools

  • Kühlung und Kabel

  • Letzter Schliff

  • Abschließende Empfehlungen

BUILT IN - ARTICLE INTRO SECOND COMPONENT

Wir sprechen mit dem PC-Builder L3p über individuelle PC-Gehäusedesigns und darüber, was man wissen muss, um mit einem eigenen Design zu beginnen.1

Das individuelle Design steht im Mittelpunkt des PC-Aufbaus. Die Möglichkeit, Hardware auszuwählen und ein einzigartiges System zu bauen, ist einer der Gründe, warum viele selbst einen PC bauen wollen.

Doch einige Eigenbaubegeisterte gehen mit ihrer individuellen Gestaltung noch weiter. Ihnen reicht es nicht, einfach nur Teile zu kaufen. Sie konstruieren eventuell sogar ihr eigenes PC-Gehäuse, um noch flexibler beim endgültigen Look ihres PCs zu sein.

Der Gestalter individueller PCs und Gehäusehersteller Peter „L3p“ Brands ist einer dieser ambitionierten Konstrukteure. Er fabriziert seine eigenen maßgeschneiderten Gehäuse und hat mit seinen Kenntnissen und seiner Erfahrung einige wirklich einzigartige Geräte erschaffen.

Wir sprachen mit ihm, um zu erfahren, wie er beim Bau eines PCs vorgeht und wie man am besten mit diesem Hobby beginnt.

Am Ort des Geschehens

Brands konstruiert bereits seit 10 Jahren PC-Gehäuse von Grund auf und modifiziert bestehende Hardware schon seit 20 Jahren. „Erstmals habe ich 1998 die Hardware verändert, als ich den Luftstrom bei meinem Gaming-Rig verbessern wollte“, sagt er. „Ich begann dann 2009 mit komplizierterem Modding und Flüssigkeitskühlung, und das mache ich seitdem.“

Brands hat in dieser Zeit Dutzende Geräte gebaut, kommt jetzt aber auf den L3p D3sk zurück. „Es war mein erstes großes Projekt“, so Brands. „Ein Desk-PC, der von Grund auf neu gebaut wurde, vollständig flüssigkeitsgekühlt und aus Aluminium und Sicherheitsglas konstruiert.“ Für den Eigenbau verwendete er Hardware aus seinem Haupt-PC, aber er hatte nur an den Wochenenden Zeit, daran zu arbeiten. „Das bedeutete, dass er zum Ende des Wochenendes laufen musste, oder ich hätte die ganze Woche über keinen laufenden PC gehabt“, berichtet er weiter.

Im Laufe eines Jahres steckte er Hunderte Stunden in das Projekt. „Jetzt – zehn Jahre später – ist der L3p D3sk immer noch meine hauptsächliche Gaming- und Workstation in meinem Wohnzimmer“, sagt er. „Alle paar Jahre aktualisiere ich die Hardware und den Flüssigkeits-Kühlkreislauf, dessen Kühler sich unter meinem Haus im Zwischenraum für Rohre und Leitungen befindet.“

PC-Case-Modding oder Eigenbau von PC-Gehäusen

Zur Klarstellung: Einerseits gibt es das Case-Modding, bei dem bestehende Gehäuse – manchmal auf dramatische Weise – verändert werden. Und dann gibt es die Möglichkeit, völlig neue Gehäuse zu konstruieren und herzustellen. Brands bevorzugt letzteres.

„Eine von Grund auf neue Konstruktion bietet einem mehr Freiheiten im Vergleich zur Modifikation eines Standardgehäuses aus 0,8-mm-Stahl“, sagt er. „Mir ist es lieber, etwas Neues zu entwickeln, anstatt ein vorhandenes Gehäuse zu modifizieren und dann zu versuchen, ihm den Look eines selbst gefertigten Produkts zu geben.“

Ein eigenes Gehäuse zu kreieren, ermöglicht wesentlich individuellere Designs. Mit dem richtigen Werkzeug kann ein erfahrener Computerbauer ein seinen genauen Spezifikationen entsprechendes Gehäuse gestalten und bauen. Solche individuellen Gehäuse erlauben es, ausgehend von der Hardware, die bereits vorhanden ist, zu planen, anstatt sich vom Aufbau eines Gehäuses vorschreiben zu lassen, was wo eingebaut werden kann.

Ein individuelles Gehäuse anzufertigen, bietet zwar Vorteile im Vergleich zur Arbeit mit einem Gehäuse aus dem Handel, erfordert aber auch spezielle Werkzeuge und einen geeigneten Arbeitsbereich – zwei kritische Faktoren, an die man denken sollte, bevor man sich auf dieses Hobby einlässt.

Arbeitsplatz und Werkzeug

Die Hürde für den Einstieg in die Eigenkonstruktion eines Computergehäuses wird höher sein als bei der Verwendung eines Serienprodukts, aber die richtige Ausrüstung kann den Vorgang vereinfachen.

„Ich verwende einen Schwingschleifer, eine Säge, eine Schleifmaschine, eine Poliermaschine und verschiedene Bohrer“, so Brands. „Auch gute Messwerkzeuge und Schutzvorrichtungen sind wichtig. Für Modding-Einsteiger empfehle ich einen Dremel. Das ist ein kleines Multi-Tool, mit dem man schleifen, schneiden, schmirgeln, bohren und polieren kann.“

Bei der Arbeit mit diesen Werkzeugen und Materialien besteht Verletzungsgefahr, weshalb entsprechende Vorkehrungen wichtig sind. „Es sollte immer ein Schutz für die Augen und Ohren getragen werden. Und beim Schleifen oder Lackieren ist auch ein Mundschutz angebracht. Sicherheit ist das wichtigste von allem.“

Mit Einfachem beginnen

Diese PC-Konstruktion auf hohem Niveau mag faszinierend klingen, aber es nicht leicht zu erkennen, wie man anfangen muss. Wie kommt man als jemand, der gerade ein paar Eigenbau-PCs hinter sich hat, zur Integration komplexer Flüssigkeitskühlsysteme in einem individuell gefertigten Gehäuse?

Laut Brands besteht der Trick darin, mit Einfachem zu beginnen. „Du fängst mit kleinen Änderungen an einem vorhandenen Gehäuse an. Sobald du dich damit auskennst, kannst du damit beginnen, Ideen zu sammeln und digital oder auf Papier ein Design zu entwickeln.“

Auf diese Weise kann man sich anfangs in vertrauteren Gefilden bewegen und herausfinden, ob einem diese Arbeit Spaß macht. Außerdem kann man so Schritt für Schritt seine Werkzeugsammlung und Arbeitsumgebung ergänzen und im Lauf der Zeit eventuell größere und ehrgeizigere Projekte in Angriff nehmen. Jeder muss irgendwo beginnen und bei kleineren Projekten sind auch die Hürden für den Einstieg kleiner.

Eine andere hervorragende Möglichkeit, Erfahrung mit individuellen PC-Konstruktionen zu gewinnen, sind Flüssigkeitskühlungen.

Kühlung und Kabel

Ausreichende Kühlung ist beim Aufbau jedes PCs wichtig, und diese komplexen Projekte sind dabei keine Ausnahme. Das bedeutet aber nicht notwendigerweise den Einbau einer Flüssigkeitskühlung.

„In all den Jahren habe ich zahlreiche fantastische luft- oder sogar passiv gekühlte Mods gesehen“, sagt Brands. „Ich persönlich mag es einfach, mit Flüssigkeits-Kühlkreisläufen zu spielen.“

Obwohl die Flüssigkeitskühlung eine tolle Möglichkeit ist, die Temperaturen niedrig zu halten und einem System gleichzeitig visuelles Flair zu verleihen, ist sie für ein High-End-System nicht zwingend erforderlich. Das ist für einige gut zu wissen, denn die Flüssigkeitskühlung kann für manche Neueinsteiger ein entmutigendes Vorhaben sein. Glücklicherweise gibt es jede Menge ausgezeichnete Informationsquellen für Interessierte, die sich damit befassen möchten, selbst wenn sie unerfahren sind.

„Es gibt viele Hersteller-Websites und auch Verfasser von Inhalten und Social-Media-Gruppen, die beim Erlernen der Grundlagen helfen können“, sagt Brands. „Ich empfehle, mit grundlegenden Konzepten zu beginnen, wie der richtigen Platzierung von Pumpen und Kühlern und der unterschiedlichen Dimensionierung von Röhren und Flanschen. Die meisten Anfänger beginnen mit Schläuchen, aber nach einem Jahr oder so werden sie oft mit komplizierteren Rohrverbindungen hantieren.“

Ob Flüssigkeits- oder Luftkühlung – die richtige Steuerung des Luftstroms für die Lüfter bzw. Kühler ist in jedem Fall zu bedenken. „Bei luftgekühlten Systemen verwende ich einen geeigneten CPU-Kühler und mindestens drei Lüfter für die Luftzufuhr und drei für die Abluft, aber 90 % meiner Systeme sind flüssigkeitsgekühlt. Für diese verwende ich normalerweise pro CPU/GPU eine 120-mm-Kühleroberfläche als Ausgangsbasis. So würde ich beispielsweise einen 120-mm- und einen 240-mm-Kühler für ein System mit einer CPU und zwei GPUs verwenden.“

Ein weiterer Aspekt bei der Konstruktion des Kühlsystems ist die Kabelführung. Die korrekte Anordnung der Kabel sorgt nicht nur für ein ansprechenderes Aussehen des Systems, sondern kann auch die Luftströmung verbessern, besonders bei Geräten mit kleinen Abmessungen (Small Form Factor).

Folgt man Brands, dann muss man sich einfach genügend Zeit für die Organisation der Kabel nehmen: „Alles was du brauchst, ist Geduld. Beginne einfach an der schwierigsten Stelle und arbeite dich von da aus weiter vor. Es wird immer einfacher.“

Der letzte Schliff für den Look des Systems

Einer der Vorteile beim Bau eines eigenen PCs ist, dass man es selbst in der Hand hat, wie er aussieht, wenn er fertig ist. Das fängt mit der Wahl der richtigen Hardware an.

Wenn es allerdings um einen komplexeren Systemaufbau geht, kann die Entwicklung des Looks schon etwas länger dauern. „Ich entscheide mich schon Monate, bevor ich wirklich anfange, für die Hardware, die meiner Idee entspricht, und konstruiere die Details Stück für Stück im Kopf. Alles sollte mit dem Thema in Stil und Farbe übereinstimmen.“

Die richtige Hardware kann sicherlich zur aussagekräftigen visuellen Realisierung des Themas beitragen – ebenso wie die Beleuchtung. Die passende Beleuchtung ist eine relativ einfache Möglichkeit, den Look des Systems zu verändern und ist mit einem vergleichsweise geringeren Aufwand verbunden als das Modifizieren oder Ersetzen von Hardware.

Unter Designaspekten kann eine RGB-Beleuchtung zweifellos nützlich sein, obwohl sie nicht jedermanns Sache ist. „Ich habe in den letzten zehn Jahren mit RGB-Beleuchtung gearbeitet, schon damals, als man sie noch selbst zusammenlöten musste“, sagt Brands. „Oftmals begegnet mir eine ablehnende Einstellung gegenüber RGB-Beleuchtung; nach meiner Erfahrung macht sie es aber einfach, den Look eines selbst designten Systems oder sogar des gesamten Computertisch-Umfelds zu verändern. Besonders, wenn du viel Weiß verwenden, weil dann die Feinabstimmung der Beleuchtung die Farbe des Systems komplett verändern kann.“

Und dann fehlt noch der letzte Schliff zum Abschluss der Arbeiten. Der kann vom Lackieren des Gehäuses bis zur Modifizierung der GPU-Verkleidung alles Mögliche sein – aber einigen reicht für diesen Schritt schon etwas Sandpapier. „Ich mag das Lackieren nicht“, so Brands. „Ich möchte den Look des echten Materials haben, zum Beispiel gebürstetes Aluminium, polierter Edelstahl oder mattiertes bzw. geschliffenes Glas oder Acryl. Für solche Looks brauchst du echt nur Sandpapier in verschiedenen Körnungen, Polierpaste und ein Stück Tuch.“

Das gesamte Design und die Ausführung eines Systems ist das, was normalerweise die höchste Aufmerksamkeit auf sich zieht, doch oftmals sind es die kleinen Dinge, die ein individuell gestaltetes System so außergewöhnlich machen.

Welche Details sind es demnach, die den größten Eindruck hinterlassen?

„Beleuchtung und die Auswahl der Materialfarben“, meint Brands. „Aus diesem Grund mag ich die RGB-Beleuchtung so sehr. Und daneben lässt sich mit etwas Geduld und einigen Kabelbindern eine saubere Kabelführung erreichen. Wenn du diese beiden Dinge kombinierst, bekommst du ein attraktiv aussehendes Gerät.“

Abschließende Empfehlungen für deinen Systemaufbau

Schon eine einfache Veränderung des Gehäuses kann Zeit und Planung erfordern; es ist deswegen leicht einsehbar, dass Neulinge vor der Konstruktion und dem Bau eines individuell gefertigten Gehäuses mit komplexen Flüssigkeits-Kühlkreisläufen zurückschrecken.

Brands gibt Anfängern den Rat, klein zu beginnen. „Steck' dir nicht zu hohe Ziele mit einem zu komplizierten oder teuren Aufbau. Ich sehe es oft, dass Projekte aus diesem Grund auf halbem Wege steckenbleiben. In all den Jahren habe ich Tausende Case-Moddings gesehen. Was meistens schiefgeht ist, dass die Ideen so großartig waren, dass das Projekt sogar nicht einmal begonnen wurde.“

Mach' dir deshalb nichts daraus, wenn du mit einigen kleinen (und sicheren!) Veränderungen anfängst, um etwa die Luftströmung in deiner Gaming-Maschine zu verbessern.

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