Der Alltag professioneller Gamer

Das Leben eines Profi-Gamers umfasst viel hartes Training und einen straff organisierten Terminplan. Mit der Zeit kann das zu Folgen wie Burnout führen, wenn Spieler nicht auf ihre Gesundheit achten.1

Videospiele sind schneller und immersiver als jemals zuvor, weshalb man sich leicht das Leben eines Profispielers ausmalen kann. Wie gewährleisten E-Sport-Spieler und -Teams im Alltag einen Lebensstil, der sie beim professionellen Gaming unterstützt? Um diese Fragen zu beantworten, haben wir uns mit Profi-Gamern von Overwatch*, Counter-Strike*: Global Offensive* (CS:GO) und League of Legends* unterhalten.

Die beiden Profis, die wir zu diesem Thema befragt haben, sind Lynnie „artStar“ Noquez vom Counter-Strike*: Global Offensive -Clan „Team Dignitas*“ und Cody Sun aus dem LoL* -Team „Clutch Gaming Academy“. Bei beiden nimmt das Teamtraining ca. sechs bis acht Stunden pro Tag in Anspruch, hinzu kommen jedoch noch mehrere Stunden Einzeltraining. Noquez hat einen normalen Tagesablauf für uns zusammengefasst:

Ich wache morgens ungefähr um 11:00 Uhr auf und beantworte erst einmal meine geschäftlichen E-Mails. So um 12:00 oder 13:00 Uhr mache ich mich fertig und koche mit meinem Verlobten etwas zu Mittag. Oder wir gehen mit seiner Familie etwas essen. Nachmittags erledige ich, was es zu erledigen gibt: Besorgungen, das Haus putzen, Abendessen vorbereiten. Und wenn das alles schon erledigt ist, verbringe ich viel Zeit mit Familie und Freunden. Um 17:00 Uhr fängt dann mein Einzeltraining für Counter-Strike* an. Ich sehe mir Strategien an, übe meine Granaten und spiele ein paar PUGs oder streame auf Twitch*. Um 19:00 Uhr fängt dann das Teamtraining mit Dignitas* an. Wir machen zwischendurch eine kurze Pause, um etwas zu Abend zu essen, und beenden das Training meist so um 23:00 Uhr. Nach dem Training gehe ich meist direkt ins Bett. Und so läuft das fünf Tage die Woche.

Bei anderen Spielern findet das Teamtraining nicht abends, sondern tagsüber statt. Ihre tägliche Routine unterscheidet sich jedoch kaum: Profi-Gamer müssen in jedem Fall feste Zeiten für das Training festlegen und Erledigungen und Freizeitgestaltung außerhalb dieser Zeiten planen.

Üben, üben, üben

Wie sieht das Training für einen Pro-Gamer eigentlich aus? Auch wenn sich die Trainingsprogramme der E-Sport-Profis ebenso stark unterscheiden wie ihre Präferenzen für Peripheriegeräte, so gibt es doch einige gemeinsame Praktiken.

Bei Spielen wie League of Legends*, die sich im E-Sport bereits fest etabliert haben, müssen Gamer im Grunde das immer gleiche Spiel wieder und wieder (und wieder) aufs Neue spielen.

2017 hat der Entwickler Riot Games* einen vielfach angeforderten Trainingsmodus für League of Legends* eingeführt. Doch laut Cody Sun von Clutch Gaming Academy* müssen sich Topspieler ohnehin so gut mit den Spielmechaniken auskennen, dass sie die neuen Übungsdrills kaum nutzen. Zu diesen Mechaniken zählen beispielsweise Last Hits (das Ausschalten gegnerischer Minions im perfekten Moment, um mehr Gold und XP zu gewinnen) und Flashen (das Teleportieren über kurze Distanzen). Stattdessen üben sie durch Freundschaftsspiele gegen eigene Teammitglieder oder gegen andere Profiteams, die sie aus Ligaspielen und Turnieren kennen. Diese Spiele werden aufgezeichnet und im Nachhinein sorgfältig von Spielern, Managern und Trainern analysiert, um Schwachpunkte und Verbesserungsmöglichkeiten zu finden.

Beim Einzeltraining melden sich die Pro-Gamer einfach wie jeder andere Spieler im Ranked-Modus an. Cody Sun erinnert sich gern daran zurück, wie er als Profi zum ersten Mal in Trainingsbegegnungen von Amateurspielern in seinem bzw. im Gegnerteam erkannt wurde: „Ich weiß noch genau, wie ich mich damals als Amateur gefreut habe, wenn ich gegen meine Idole aus dem Profi-Gaming aufgestellt wurde, wie z. B. Shan ‚Chaox‘ Huang.

Deshalb versuche ich immer, nett zu sein, wenn meine Teammitglieder mich erkennen. Denn ich war einmal in genau der gleichen Situation.“

Im wahren Leben aktiv bleiben

E-Sport-Profis betonen oft, wie wichtig körperliche Betätigung für einen gesunden Lebensstil ist. Manche Spieler, wie z. B. Eli „Elk“ Gallagher aus der Overwatch League*, haben ihre Fitnessroutine sogar erst durch das Profi-Gaming entdeckt: als Ergänzung ihres Trainings vor dem Bildschirm.

„Bevor ich dem Team beigetreten bin, war ich nie in einem Fitnessstudio“, erklärt Gallagher. „Ich habe zwar in der High School ein bisschen Sport gemacht, jedoch nicht gezielt. Nachdem ich [Philadelphia Fusion*] beigetreten bin, habe ich mich mit dem Teambesitzer Tucker [Roberts] unterhalten. Ich habe ihm gesagt: ‚Ich möchte einen Personal Trainer für das Team. Selbst wenn ich der Einzige bin, der das nutzt: Ich will ein Fitnessstudio und einen Personal Trainer. Ich glaube, das wäre für mich als Spieler vorteilhaft.‘“

Das Management beschäftigt sich derzeit mit der Umsetzung dieser Anfrage. Und bis der Prozess steht, nutzt Elk Onlinetipps, um sich im Fitnessstudio, das ihm in der Teamunterkunft zur Verfügung steht, fit zu halten. „Fusion* hat uns netterweise eine Kabelzugstation, viele Hanteln, Bankdrücken und andere Geräte zur Verfügung gestellt.“

Auch Dehnübungen sind wichtig, um Handgelenks-, Nacken- und Schulterverletzungen vorzubeugen, die oft nach langen Sitzungen vor dem Computer auftreten.

„Um Probleme mit den Handgelenken, Schultern oder dem Rücken zu vermeiden, mache ich gern ein paar Dehnübungen, die wir im 76ers* Training Complex von Sportwissenschaftlern gelernt haben“, erklärt Noquez. „Diese Übungen sind super, weil ich keine speziellen Geräte und auch nicht viel Platz brauche. Ich kann sie einfach direkt am Schreibtisch machen – zwischen den Übungsspielen oder sogar zwischen den Runden, wenn es nötig ist.“

Cody Sun von Clutch Gaming Academy*, der immer nach Möglichkeiten sucht, von aktuellen Kollegen und ehemaligen Profi-Gamern zu lernen und somit sein Spiel zu verbessern, hat sich aus Interviews mit E-Sport-Spielern viele Tipps geholt – auch in Sachen Fitnessübungen.

„Viele andere Profispieler werden dieses Thema anschneiden“, erklärt er zur Frage nach der nötigen Fitness als Profi-Gamer „Sie posten ihre Trainingspläne und was sie so alles machen. Deshalb sehe ich mir manchmal Interviews oder andere Beiträge an, und denke: ‚Cool!‘ Zum Beispiel Sport am Morgen. Das klingt echt gut, weil man sich so geistig perfekt aufs Training vorbereiten kann.“

Viel Entspannung und Erholung

Cody Sun sind ein gesunder Schlafrhythmus, ein ausgiebiges Sozialleben und eine gesunde Einstellung wichtiger, als möglichst viele Spiele in einen Tag zu quetschen.

„Ich glaube, die besten Spieler unserer Branche sind diejenigen, die für sich selbst den optimalen Tagesablauf finden und einen möglichst effizienten Lebensstil verfolgen: also genügend Trainingseinheiten, genauso wie Fitnesseinheiten, gesunde Ernährung und ein vernünftiges Sozialleben“, erklärt er.

Cody glaubt, dass sich die E-Sport-Kultur durch diesen ganzheitlicheren Ansatz in den letzten zwei bis drei Jahren deutlich weiterentwickelt hat. „Es ist echt schwer für uns, nur sechs Stunden zu schlafen und dann den ganzen Tag zu trainieren. Mit unserem aktuellen Ansatz oder zumindest der Richtung, in die wir uns entwickeln, können wir einen gesunden Lebensstil und eine gesunde Einstellung gewährleisten und so wirklich effizient trainieren.“

Laut Cody ist der alte Ansatz „der ständigen Plackerei“ vor dem Bildschirm immer noch weit verbreitet in der E-Sport-Szene. Allerdings besteht er darauf, dass die Profi-Gamer mit einem ganzheitlicheren Lebensstil sind genauso rigoros ihre Zeile verfolgen wie Kollegen, die die ganze Nacht in der SoloQ verbringen – wenn nicht sogar noch konzentrierter.

„Ein guter Schlafrhythmus erfordert mehr Disziplin und mehr Konzentration als einfach nur so viel zu spielen wie möglich“, berichtet Cody. „Manche denken vielleicht: ‚Wow, dieser Typ arbeitet härter, weil er bis 03:00 Uhr nachts trainiert, während der andere schon um 00:00 oder 23:30 Uhr fertig ist.‘ Aber die Person mit dem gesünderen Tagesablauf braucht mehr Disziplin, die sich auch auf andere Bereiche des Lebens und des Spielens auswirkt.“

Manchmal heißt das auch, den PC abzuschalten und – wie in Codys Fall – anderen League of Legends*-Spielern zuzusehen. „Auch indem man anderen zusieht, kann man sein Spiel verbessern – aber mit deutlich weniger Stress“, erklärt er.

CS:GO -Spielerin Lynnie Noquez hingegen möchte nach ihrem Trainingstag möglichst viel Zeit abseits des Shooters verbringen:

„Da wir recht spät mit unseren Sessions fertig sind, bin ich nach dem Training meist viel zu müde, um noch etwas zu unternehmen“, berichtet sie. „Deshalb kuschle ich mich am liebsten mit meinem Verlobten und unserem kleinen Hund auf die Couch und gucke einfach einen Film.“

Gallagher hingegen hat seinen letzten trainingsfreien Tag draußen verbracht:

„Gestern hatte ich frei. Ich habe mich nur mit meinem Handy vors Haus gesetzt und acht Stunden lang mit Leuten geredet. Von 13:00 bis 21:00 Uhr saß ich da, hab Essen bestellt und war einfach nur draußen. Es war schön und ich hatte gar keine Lust, zum Spielen reinzugehen“, erklärt er.

Es zeigt sich, dass das Leben eines Profispielers nicht immer so locker und leicht ist, wie man sich denken mag. „Für mich ist Entspannung im E-Sport eine der schwierigeren Aufgaben, weil unser Job auch unser Hobby ist. Da fällt es schwerer, Arbeit und Sozialleben zu trennen und sich zu entspannen, als das bei anderen der Fall ist“, meint Galagher. Hier erfahren Sie mehr darüber, wie man ein E-Sport-Profi wird.

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