ExxonMobil: Verbesserung von Industriesteuerungen

Open Process Automation kommt Branchen zugute, die von geschlossenen proprietären Systemen umsteigen möchten.

In diesem Webinar erörtern die ExxonMobil-Führungskräfte Kenny Warren (Projektsponsor), Nick Clausi (Vizepräsident der Forschungs- und Technikgruppe), Don Bartusiak (Leitender Ingenieur für Prozesssteuerung), Brad Houk (Projektmanager, Open Process Automation) und der Industrie-Influencer Tim Crawford das interne F&E-Programm von ExxonMobil und die Arbeit mit dem Open Process Automation Forum zur Lösung einer langjährigen Herausforderung im Zusammenhang mit Industriesteuerungen. Die Systeme ermöglichen Raffinerien und petrochemischen Anlagen die Automatisierung betrieblicher Prozesse, um einen sicheren, stabilen und effizienten Betrieb aufrechtzuerhalten. Traditionell handelte es sich dabei um proprietäre geschlossene Systeme, und die Hersteller waren an Lösungen von Einzelanbietern gebunden, was ihre Flexibilität und Fähigkeit einschränkte, neue Innovationen von verschiedenen Anbietern einzuführen.

Während des Gesprächs erörtern Führungskräfte von ExxonMobil, wie sie sich auf Daten- und offene Standards konzentrieren, um eine neue Ära der Innovation und des Wachstums voranzubringen. Sie erörtern außerdem die Zusammenarbeit des Unternehmens mit Intel und die Vorteile der Nutzung von Technik, die auf offenen Standards basiert und ein wichtiger Faktor war, der anderen Branchen beim Umstieg von ihren geschlossenen proprietären Systeme geholfen hat.

Mary Killelea: Ich heiße Sie alle willkommen. Vielen Dank für Ihre Teilnahme an der Customer-Spotlight-Reihe von Intel. Diese Serie hebt innovative, branchenführende Unternehmen hervor, die mit Hilfe von datenzentrischen Technologien von Intel digitale Transformationen durchlaufen, geschäftliche und technische Herausforderungen behoben und neue Gelegenheiten geschaffen haben. Wir freuen uns, heute ExxonMobil zu einem Gespräch über Open Process Automation begrüßen zu dürfen. Der heutige Moderator ist Tim Crawford. Tim ist strategischer CIO-Berater und arbeitet mit Enterprise-Organisationen zusammen. Ich übergebe hiermit an Tim, der den Startschuss für das heutige Gespräch geben wird.

Tim Crawford: Danke, Mary. Ich begrüße Sie alle herzlich zu unserem heutigen Webinar. Ich freue mich, an diesem Gespräch teilnehmen zu dürfen, und habe einige unserer Kollegen von ExxonMobil mitgebracht, die sich zu Innovation und speziell zu Industriesteuerungen äußern werden. Das ist ein äußerst interessanter Bereich und in diesem Gespräch werden wir darauf genauer eingehen. Zur Einführung werden wir uns für den Kernteil unseres Gesprächs mit den Teilnehmern etwa 40 Minuten Zeit nehmen. Danach stehen gegen Ende 15 Minuten für Fragen und Antworten zur Verfügung. Zunächst zur Vorstellung: Heute haben wir den Vizepräsidenten der Forschungs- und Technikgruppe von ExxonMobil Nick Clausi, Kenny Warren, Projektsponsor, Don Bartusiak, Leitender Ingenieur für Prozesssteuerung, und Brad Houck, Projektleiter für Open Process Automation, bei uns.

Meine Herren, willkommen beim heutigen Webinar!

Bevor wir loslegen, möchte ich kurz ansprechen, wer alles hier ist und auch etwas dazu sagen, wie wir die Voraussetzungen bzw. eine Grundlage für die Fokussierung des Gesprächs schaffen können. Sie wissen wahrscheinlich, wer ExxonMobil ist. Aber vielleicht kann Nick die Teilnehmer kurz über die Marke ExxonMobil informieren und seine spezifische Gruppe bei ExxonMobil vorstellen.

Nick Clausi: Natürlich, Tim. Danke. Die meisten Leute kennen ExxonMobil wahrscheinlich als einen der weltweit größten börsennotierten Energieanbieter und Hersteller chemischer Produkte. Unser Team im Bereich Forschung und Technik bei ExxonMobil hat die Aufgabe, technische Lösungen für die von uns so bezeichnete „duale Energieherausforderung“ zu entwickeln und bereitzustellen. Diese besteht darin, einer wachsenden Bevölkerung Energie sowie chemische Produkte bereitzustellen und gleichzeitig die Emissionen zu reduzieren. Unsere Forschungs- und Technikgruppe steht bei diesen neuen Technologien an vorderster Front. Wir werden uns heute über Open Process Automation unterhalten, ein tolles Beispiel für eine dieser Technologien. Open Process Automation zielt auf den Prozesssteuerungsbereich ab. Damit werden wir unsere Anlagen effizienter betreiben können. Genauso wichtig ist es meiner Meinung nach, dass dadurch ein Fundament für zukünftige Innovationen im Prozesssteuerungsbereich gelegt wird.

Tim Crawford: In diesem Zusammenhang möchte ich nun etwas auf die nächste Frage eingehen und mich zur eigentlichen Problematik äußern. Ich möchte jetzt an Kenny, den Projektsponsor, übergeben. Kenny, vielleicht können Sie uns kurz die Rolle industrieller Steuersysteme und die Herausforderungen, denen ExxonMobil in diesem Zusammenhang gegenüberstand, erläutern.

Kenny Warren: Natürlich. ExxonMobil hat wie viele andere Unternehmen in unserer Branche auch eine umfassende Basis proprietärer Steuersysteme in unseren Fertigungseinrichtungen, Raffinerien und Chemiewerken weltweit. Sie haben uns aufgrund der hohen Verfügbarkeit und des stabilen sowie sicheren Betriebs in all unseren Werken gute Dienste geleistet. Unsere installierte Basis ist aber schon Jahrzehnte alt. Unsere Herausforderungen sind die hohen Kosten für das Ersetzen und die begrenzte Kapazität beim Zugriff auf die aktuelle Technologie insbesondere in einer sehr dynamischen Zukunft mit mehr Datenanalyse, Sensorleistung, kabellosen Funktionen und der wachsenden Rechnerleistung. Während wir also unsere Bestandssysteme ersetzen, brauchen wir auch ein flexibleres offenes System, das uns für die Zukunft aufstellt und eine Architektur bietet, die Innovation und Wertschöpfung ermöglicht. Darüber hinaus investieren wir auch in von Grund auf neue Einrichtungen. Wir betrachten alte PA-Systeme für diese neuen Anlagen auch als Mechanismus zur Steigerung der Wertschöpfung über unsere gesamte Asset-Basis hinweg.

Tim Crawford: Kenny, als Teil davon würde ich gerne kurz erfahren, wie Sie hinsichtlich dieses Problems, das Sie identifizieren wollten, an diesen Punkt gelangt sind, und wie sich das Problem praktisch selber äußerte. Könnten Sie das kurz ansprechen?

Kenny Warren: Wir betrachteten unsere Ausgaben für die nächsten Jahre, in denen die Obsoleszenz eintreten wird, und erkannten, dass wir ziemlich hoch investieren müssten. Bei diesen Untersuchungen und denen zu den Kapazitäten, die wir in Zukunft benötigen würden, mussten wir innehalten und uns überlegen, was die Alternativen sein könnten. Wir verließen uns auf einige unserer erfahrensten Experten in diesem Bereich. Sie sollten die Möglichkeiten betrachten, den Business-Case erstellen, und dann starteten wir das Programm.

Tim Crawford: Alles klar! Ich werde jetzt noch einmal etwas anderes ansprechen. Um darüber hinauszugehen, die Herausforderung und das Problem zu verstehen, das ExxonMobil lösen wollte, Don, möchte ich mit dir ein wenig über Innovation sprechen. Innovation ist etwas, das Unternehmen erreichen und als Teil ihrer Transformation voll und ganz nutzen möchten. Wie ist ExxonMobil auf die Rolle des digitalen Bereichs und neuer Technik durch die Nutzung neuer Technologien wie IoT und Cloud sowie kabellose Technik und KI als Mittel zur Innovation in diesem Bereich eingegangen und hat gleichzeitig das von Kenny umrissene Problem angesprochen?

Don Bartusiak: Ich glaube, als Erstes muss gesagt werden, dass wir seit der Einführung der digitalen Technologien in der Anfangsform in den 1980er Jahren hinsichtlich industrieller Steuersysteme ein „Netzwerk der Dinge“ nutzten. Das Charakteristische an den uns zur Verfügung stehenden Netzwerken ist, dass sie anbieterspezifisch sind und keine Interoperabilität bieten, was einerseits von Vorteil ist, weil sie steuerbar, deterministisch usw. sind. Allerdings stellt dies auch ein großes Innovationshindernis dar. Das ist wirklich eines der grundlegenden Geschäftsprobleme, das wir mit den Open-Process-Automation-Initiativen zu beheben versuchen. Lassen Sie mich noch jede der vier von Ihnen genannten Technologien ansprechen. Zunächst mal zum kabellosen Bereich.

Wir verfolgen sehr aggressiv kabellose Technologien bei der Fertigung, sowohl für kabellose Verbindungen mit Sensoren für die von uns als finale Steuerelemente bezeichneten Komponenten, das sind Dinge wie Ventile, die die Fließgeschwindigkeit von Flüssigkeiten regeln. Außerdem verwenden wir kabellose Methoden zur Unterstützung unserer digitalen oder mobilen Mitarbeiter. Die spezifischen Technologien, die wir für die digitale Instrumentierung nutzen, sind abgeleitete WLAN-Technologien, mit denen die Benutzer bereits von ihrer Verbrauchererfahrung her vertraut sind. Es bestehen aber technische Unterschiede. Die andere kabellose Technologie, die wir derzeit untersuchen und sehr interessant finden, ist z. B. die Entwicklung von 5G. Ich weiß, dass das auch für Intel ein sehr interessanter Bereich ist. Allerdings ist 5G immer noch fern am Horizont.

Heute investieren wir aggressiv in WLAN-Derivate. Hinsichtlich IoT und Cloud ist das Interessanteste, dass es sich dabei um Erweiterungen der IT-Technologien handelt, sowohl in Richtung Netzwerkrand als auch nach oben in die Cloud. Das war für uns aus der industriellen Steuerungsperspektive sehr attraktiv: Dies öffnet die Tür für viele leistungsstarke Technologien, auf die wir bisher nicht zugreifen konnten, weil unsere Systeme so geschlossen und proprietär waren. Das ist die positive Seite. Man muss aber auch sagen, dass im Kontext industrieller Steuerung Cybersecurity für uns von höchster Priorität ist. Es geht schließlich darum, dass Menschenleben auf dem Spiel stehen und auch unsere Nachbarn, die in der Nähe unserer Fertigungseinrichtungen leben, Risiken ausgesetzt sind. Diese Verantwortung nehmen wir sehr ernst. Wir verfolgen also diese neuen Technologien, wobei aber stets die Einschränkungen und die Realität im Vordergrund stehen, dass wir auf sichere Weise vorgehen müssen. Die letzte Technologie, nach der Sie gefragt haben, künstliche Intelligenz, dazu würde ich sagen, dass sie für uns eine neue Grenze darstellt hinsichtlich mathematischer Methoden und Automatisierungsansätze zur Behebung von Geschäftsproblemen.

KI ist uns nicht völlig neu. Bereits bei meinen ersten Aufgaben bei ExxonMobil in den 1980er Jahren musste ich prüfen, ob wir die damals aktuellen KI-Technologien nutzen könnten. Wir probierten einiges aus, aber nichts hat sich so richtig durchgesetzt. Die neuronalen Netze von damals waren nicht wirklich leistungsstark. Aber jetzt liegen die Dinge anders. Viele der Technologien, die im Rahmen von kommerziellen und Verbraucheranwendungen entwickelt wurden, haben die Technologiebasis auf eine neue Stufe gebracht. Und wir freuen uns sehr darüber. Mein Team hier und Nicks Organisation, das ist einer unserer größten Portfoliobereiche, untersuchen, ob wir diese KI-Technologien so reduzieren können, dass sie für industrielle Steuerungsanwendungsfälle eingesetzt werden können.

Tim Crawford: Don, vielleicht könnten Sie kurz erklären, was Sie damit meinen?

Don Bartusiak: OK, Tim. Die Leute haben vielleicht schon den Begriff „digitaler Zwilling“ gehört. Ich muss dazu sagen, dass wir im Steuerungsbereich bereits seit Jahrzehnten digitale Zwillinge einsetzen. Wir haben eine ganze Reihe von ausgefeilten mathematischen, modellbasierten Technologien, mit denen wir das dynamische Verhalten unserer Prozesse modellieren, und wir nutzen diese Modelle, um unsere Anlagen zu steuern und zu optimieren. Ich glaube aber, dass wir mit dieser Art von Technologie einen sehr hohen Grad an Reife erreicht haben. Wir haben das nächste Erfolgsplateau erreicht, aber die nächsten Lücken müssen geschlossen werden, und zwar bei den Arten von Dingen, die schwierig in Gleichungen auszudrücken sind. Das ist analog zum Geschäft: Die Herausforderungen beim autonomen Fahren, wo wir wissen müssen, wie wir auf die Randfälle reagieren, die uns nicht unbedingt bekannt sind. Man sieht sie nicht so oft, um sie mathematisch beschreiben zu können. Man kann aber trotzdem auf automatisierte Weise reagieren. Das ist eine allgemeine Beschreibung der Arten von Anwendungsfällen, die wir jetzt verfolgen.

Tim Crawford: Alles klar! Okay, großartig. Um das zu überbrücken, das ist viel Technologie und viel Innovation, die einfließen müssen. Und eine der Fragen, die ich immer stelle, lautet: Welche Rolle spielen Sie, so nach dem Motto: Es braucht ein ganzes Dorf. Der alte Spruch: Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Um unsere Ziele zu erreichen, ist mehr als nur eine Organisation notwendig. Wenn wir über die Partnerschaft mit Intel nachdenken, können Sie kurz Ihre Meinung über Ihre Partnerschaft mit Intel vermitteln, insbesondere in Bezug darauf, wie das Open Process Automation-Forum quasi dazu passt?

Don Bartusiak: Meine Geschichte mit Intel beginnt im Jahr 2014. Da hat unser FuE-Team hier etwas sehr Wichtiges gemacht. Wir hatten eine Art „Skunkworks“-Betrieb und stellten dafür sechs oder sieben unserer Ingenieure ab. Wir zogen externe Industrieberater hinzu und verfassten eine Reihe von Dokumenten zur Definition der Funktionsmerkmale des von uns gewünschten und von Kenny beschriebenen Systems. Wir verfassten diese Artikel und veröffentlichten sie in Branchenpublikationen. Wir sprachen Intel bei unseren ersten Outreach-Versuchen nicht direkt an. Intel ergriff aber selbst die Initiative, fragte nach diesen Berichten und Artikeln und meldete sich dann wieder bei uns, und zwar mit einigen für uns erstaunlichen Lösungsansätzen. Sie hatten anhand unserer Berichte und Artikel zu unseren Anforderungen das Geschäftsproblem definiert, das wir zu lösen versuchten, und den Grund dafür. Und auf eigene Initiative von Intel in erstaunlich kurzer Zeit, nur wenigen Monaten, konnte Intel uns funktionierende Prototypen eines Teils unserer Referenzarchitektur vorstellen, die wir als verteilte Steuerknoten bezeichneten.

Allgemein kann man das als Edge Control Device bezeichnen. Die Merkmale dieses Geräts – dieses Prototypen – waren wirklich erstaunlich. Wir nahmen Kenny mit zu den [Chandler]-Labs und waren ehrlich gesagt hin und weg. Es war eine tolle Veranstaltung. So, das waren die Anfänge mit Intel. Um das mit der Branchenstandardorganisation in Verbindung zu bringen, die wir jetzt als Open Process Automation-Forum bezeichnen: Intel spielt heute eine Führungsrolle bei diesen Standardaktivitäten. Ich möchte die Beiträge von [Curt Smith] von der Abteilung für Industrielösungen von Intel besonders hervorheben, als einem der Vorsitzenden der technischen Arbeitsgruppe des OPA- [Open Process Automation]-Forums. Die Beiträge, die von Intel kommen, nehmen meiner Meinung nach zwei Hauptformen an. Eine besteht darin, uns die Möglichkeiten aufzuzeigen, um Technologien in unseren Bereich einzuführen, deren wir uns überhaupt nicht bewusst waren. Eine allgemeine Kategorie ist Netzwerkfunktions-Virtualisierungstechnologie, wobei Virtualisierungssoftware und definiertes Vernetzen und andere Technologien bei Intel ganz stark darin sind, uns aufzuzeigen, was auf eine Art und Weise erledigt werden kann, auf die wir nie gekommen wären. Das ist also ein Bereich.

Der andere Bereich ist wohl der Kern der Art und Weise, mit der Intel den Markt beeinflusst. Er zeigt uns den Weg hinsichtlich der Frage auf, wie wir diese geschäftliche Transformation beeinflussen. Dabei geht es um mehr als nur Technologie. Wir müssen ein Ökosystem schaffen, das diese Transformation beeinflusst und langfristig aufrechterhalten kann. Die Erfahrung von Intel bei der Beeinflussung von Transformationen dieses Art ist ein weiterer Bereich, den ich hervorheben möchte, und in dem wir durch die Beiträge von Intel wirklich viele Vorteile erfahren.

Tim Crawford: Don, Sie haben bereits die Bedeutung von Standards angesprochen. Das ist eine hervorragende Überleitung zu meiner nächsten Frage, bei der es um die Bedeutung von Standards hinsichtlich OPA geht, sowie um die kooperative Natur des Bereichs, den Sie hinsichtlich der Probleme von anbieterproprietären Systemen, der Verlagerung zu OPA, und der Rolle von Intel dabei angesprochen haben. Können Sie vielleicht Ihre Meinung zur Bedeutung insbesondere von Standards und Kooperation in diesem Bereich schildern? Warum das so wichtig ist, insbesondere in einem Bereich, in dem Sie tätig sind, bei diesen Prozesssystemen?

Don Bartusiak: Ja, Tim. Wir erkannten sehr früh in unserem FuE-Programm, dass die Veränderungen, um die wir baten, um unser geschäftliches Problem zu beheben, so groß waren – zu groß für uns, um das allein in Angriff zu nehmen. Wie gesagt, das wurde uns bereits sehr früh klar. Deshalb suchten wir außerhalb unseres unmittelbaren Erfahrungsbereichs. Ein sehr wichtiges Ereignis war für uns 2013, als wir wirklich eine geschäftliche Transformation beobachten konnten, die in der militärischen Avionikindustrie stattfand, welche eine lange Reihe geschlossener proprietärer Komponenten transformierte. Damals benutzten sie den Ausdruck „Stove Pipe"- oder Ofenrohr-Lösungen. Der Käufer bezahlte dabei im Grund für das gleiche Radarsystem in einem neuen Flugzeug immer dann, wenn ein neues Flugzeug eingeführt wurde, obwohl sich am Radarsystem praktisch nichts geändert hatte. Wir stellten fest, dass das sehr analog zu unserem Geschäftsproblem war. Wir beobachteten also, wie die Avionik-Branche die Problemlösung anging, nämlich in Form modularer, offener und interoperabler Systeme, die durch Industriestandards und Beschaffungsspezifikationen definiert wurden. Dabei wurde vorgeschrieben, dass diese Standards beim Verkauf von militärischen Avionik-Lösungen verwendet werden mussten.

Das war also wirklich für uns der Anfang in Bezug auf den Kooperationskonsens, basierend auf Industriestandards. Diesen Weg verfolgten wir dann. Der Schlüssel zum Erfolg ist in diesem Fall also eine kritische Masse bei der Nachfrage nach Veränderung vonseiten der Endbenutzer, der Käuferseite. Damit fängt es wirklich an. Der eigentliche Standardprozess selbst erfordert Kooperation und Konsens auf dem gesamten Markt, also bei Endbenutzern, Systemanbietern, Hardware-Lieferanten, Software-Lieferanten und Systemintegratoren. Das Ergebnis, das wir anstreben, ist also so eine Art Win-Win-Lösung für die Teilnehmer, die gewillt sind, bei dieser Transformation mitzuwirken. Das ist das große Ganze, das wir in Hinsicht auf Kooperation und Standards verfolgen.

Tim Crawford: Einer der Punkte, den Sie angesprochen haben, und ich weiß, dass wir uns auch in der Vergangenheit schon darüber unterhalten haben, ist die Erkenntnis, es nicht unilateral oder allein zu schaffen und dass die langfristigen Effekte dieser Kooperation wirklich wichtig sind, um für langfristige Nachhaltigkeit zu sorgen.

Don Bartusiak: Wir wissen also, Tim, dass wir das nicht alleine schaffen, dass wir als ExxonMobil Partner benötigen. Der Markt für industrielle Steuerungen und verteilte Steuersysteme beläuft sich auf ca. 15 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Wir machen nur einen einstelligen Prozentanteil der Ausgaben in diesem Bereich aus. Wir wussten also, dass wir andere ansprechen mussten. Wir wissen aber auch, dass jedes Endbenutzerunternehmen ähnliche Probleme wie ExxonMobil hat. Andere Unternehmen mögen sich der Probleme nicht so bewusst sein wie wir oder ihnen nicht die gleiche Dringlichkeit beimessen, aber wir alle wissen, dass wir alle die gleichen Probleme haben. Das ist, was die Endbenutzer gemeinsam haben. Um diese kritische Masse bei der Nachfrage der Käuferseite, also bei den Kunden, zu erreichen, ist es für uns wirklich unabdingbar, alle Industriesektoren anzusprechen, die ein industrielles Steuersystem dieser Art benutzen. Es dreht sich also nicht nur um Öl und Gas. Es geht auch um Chemikalien, Pharmazeutika, Zellstoff und Papier, Bergbau, elektrische Stromerzeugung. Wir haben all diese vertikalen Industriesektoren angesprochen. Wenn Sie sich die Mitgliedschaft des OPA-Forums ansehen, werden Sie erkennen, dass sie einen guten Querschnitt der Industrievertikalen darstellt.

Tim Crawford: Don, ich könnte mir vorstellen, dass sich jemand denkt: Moment Mal! Das ist für unser Unternehmen geistiges Eigentum. Warum sollte ich beim OPA-Forum mitmachen oder meine Ergebnisse mit einem Wettbewerber in der gleichen Branche teilen? Was haben Sie bei Ihrer Arbeit mit dem OPA-Forum in dieser Hinsicht herausgefunden?

Don Bartusiak: Das ist ist eine gute Frage. Ich will sie aus zweierlei Perspektiven beantworten, Einmal aus der Benutzerperspektive. Die Systeme selbst unterstützen lediglich die Infrastruktur. Wir arbeiten also z. B. bei Standard-Aktivitäten mit Kollegen zusammen, das heißt nicht, dass wir auf der Anwendungsebene unsere Ergebnisse mit der Konkurrenz teilen. Aber brauchen wir nicht alle diese Infrastruktur? Das ist also die Art unserer Kooperation. Das ist die gemeinsame Grundlage, auf der wir zusammenarbeiten können. In Bezug auf Lieferanten ist es eine andere Perspektive. Sie fühlen sich dadurch wahrscheinlich eher bedroht. Diejenigen unter ihnen, die aber gewillt sind, mitzumachen, erkennen, dass sie vor einer großen Veränderung stehen. Sie möchten bei dieser Veränderung mitwirken, statt ihr zum Opfer zu fallen. Das ist meiner Meinung nach die Basis für die Zusammenarbeit unter den Lieferanten auf diesem Markt. Es ist auch wichtig zu verstehen, dass es nicht darum geht, alles als Open Source zur Verfügung zu stellen. Die Standards beziehen sich hauptsächlich auf die Schnittstellen zwischen den Komponenten, die ein industrielles Steuersystem bilden.

Die internen Inhalte, das eigentliche geistige Eigentum, können weiterhin geschützt, lizenziert und gewinnbringend genutzt werden, und zwar sowohl hinsichtlich der Hardware- und Software-Produkte sowie erforderlichen Services, um ein System zu integrieren, das für das Endbenutzerunternehmen funktioniert. So beantworten wir die Frage nach dem geistigen Eigentum. Es kann natürlich weiterhin geschützt, lizenziert und gewinnbringend genutzt werden. Das ist also die Art von Ökosystem, das wir schaffen möchten.

Tim Crawford: Prima. Und es ist wirklich gut, das bestätigt zu bekommen. Und für viele Leute ist das auch etwas ganz Wichtiges, das sie aus diesem Gespräch mitnehmen können. Wir wollen damit den Hauptteil unseres Gesprächs zum Abschluss bringen, und ich möchte Nick etwas mit einbeziehen und darüber sprechen, was als Nächstes kommt. ExxonMobil hat bereits beträchtliche Fortschritte gemacht, um diese Herausforderungen anzugehen. Was steht in puncto Innovation und Kooperation als Nächstes an?

Nick Clausi: Wie Don schon sagte, betrachten wir das OPA-Projekt wirklich als Durchbruch für die Industrie, und zwar nicht nur unsere, sondern auch viele andere Branchen, die Ausrüstung dieser Art nutzen. Wir betrachten dies als unterstützende Investition. Ehrlich gesagt schafft sie basierend auf sich schnell weiterentwickelnden digitalen Funktionen die Voraussetzungen für die zukünftige Zusammenarbeit und Innovation. Das geschaffene Fundament offener Standards wird neue Innovatoren anziehen, die es derzeit schwierig finden, in diesem Bereich tätig zu werden, weil Hardware und Software so sehr in sich geschlossen sind. Und genau diese neuen Innovatoren werden zu diesem Bereich hingezogen, die letztendlich nicht nur für ExxonMobil, sondern alle Beteiligten und Nutzer dieser Systeme eine Wertschöpfung erzielen werden. Als Unternehmen betrachten wir die technische Innovation als Kern unseres Geschäfts und Hauptfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit. OPA ist also eine Investition, die, wie ich schon bei der ersten Frage erwähnt habe, das Fundament für die kontinuierliche Innovation legt, die uns letztendlich helfen wird, unsere Unternehmensziele zur Bereitstellung und Deckung des globalen Energiebedarfs sowie der Chemikaliennachfrage zu erfüllen.

Tim Crawford: Das freut mich zu hören. Damit möchte ich nun zu unserer Frage- und Antwortrunde übergehen. Die erste Frage, die vielleicht Brad beantworten kann: Brad, eines der Themen, die in unseren Diskussionen angesprochen wurde, ist die Frage, wie sich ExxonMobil die Prototypenentwicklung im firmeneigenen FuE-Prozess vorstellt. Können Sie vielleicht etwas über Ihren FuE-Prozess bei der Prototypenentwicklung sagen und darüber, wie das Projekt zu industriellen Steuersystemen dazu passt?

Brad Houk: Aber sicher, Tim, mache ich gerne. ExxonMobil nutzt einen strukturierten, durch bestimmte Phasen bestimmten Prozess, um Technologie zu entwickeln. Bei diesem Prozess müssen bestimmte Hauptannahmen abgezeichnet werden und das Risiko muss während jeder Entwicklungsphase reduziert werden. Wir haben den Standard- und FuE-Prozess von ExxonMobil angewendet und arbeiten darauf hin, Open Prozess Automation einzusetzen und unsere Vision Realität werden zu lassen. Was wir speziell gemacht haben? Innerhalb von OPA starteten wir die Entwicklung mit einem Wirksamkeitsnachweis und nahmen einige wichtige Probleme hinsichtlich der technischen Machbarkeit genauer unter die Lupe. Nachdem wir aufzeigen konnten, dass wir zuversichtlich weitermachen können, gingen wir auf unser Prototypensystem über und erweiterten wiederum unseren Glauben an die technische Machbarkeit des Systems und wiesen einige Kernkonzepte nach. Unser nächster Schritt, den wir derzeit in Angriff nehmen, besteht darin, einen Prüfstand zu bauen. Der Prüfstand wird die Grundlage für die Durchführung von Feldversuchen darstellen. Um den Entwicklungsprozess abzurunden, gibt es bei jedem Phasenübergang oder „Gate“ wichtige Anforderungen, die erfüllt werden müssen. Wir versuchten, das Risiko zu verringern und unser Selbstvertrauen darin zu bestärken, dass wir uns auf einem erfolgreichen Weg befinden.

Tim Crawford: Ich habe noch eine Frage, die damit in Zusammenhang steht. Was sind die Schlüssel für den Erfolg, damit Open Prozess Automation-Systeme zu einer tragfähigen Option für die weit verbreitete kommerzielle Nutzung werden? Ich glaube, das hat mit OPA zu tun, aber auch mit der Offenheit des Technologieumfelds. Können Sie vielleicht versuchen, auch diese Frage anzusprechen?

Brad Houk: Aber sicher, Tim. Wenn wir uns in anderen Branchen umsehen, finden wir harte Daten, die in technischer Hinsicht besagen, dass wir von geschlossenen proprietären Systemen nicht auf offene standardbasierte Systeme umsteigen können. Es müssen aber drei Dinge bei der industriellen Prozessautomatisierung geschehen, um den Erfolg sicherzustellen. Zunächst, und dazu hat Don schon Einiges gesagt, muss die Industrie sich mithilfe von Standards ausrichten, die Interoperabilität und Portabilität unterstützen. Nur durch die erfolgreiche Unterstützung oder Identifizierung von Standards können wir uns in einem auf Standards basierenden System weiter entwickeln. Der zweite Punkt ist für die Endbenutzer der Schlüssel. Endbenutzer müssen in der Lage sein, aufzeigen zu können, dass wir mit einem offenen, standardbasierten System mehr Wert schöpfen als mit dem geschlossenen, proprietären. Letztendlich wird der Übergang bei dem, was wir kaufen, dadurch bestimmt werden, wo wir eine Wertschöpfung erkennen können. Wir benötigen also Anwendungsfälle, und sie werden zeigen, dass ein offenes, standardbasiertes System im Vergleich zu einem geschlossenen, proprietären eine größere Wertschöpfung erzielt.

Der dritte Punkt berührt das Gesamtgleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Lieferanten müssen sich von ihrem aktuellen Geschäftsmodell, das in erster Linie vom Verkauf geschlossener, proprietärer Systeme und der Gewährleistung gegenüber Kunden abhängt, dieses proprietäre System langfristig zu unterstützen, verabschieden und auf das Geschäftsmodell umsteigen, das Offenheit und Standards nutzt, aber weiterhin ein System anbieten, bei dem sie aufgrund der von ihnen verkauften Komponenten und der von ihnen angebotenen Dienstleistungen ein lebensfähiges Geschäftsmodell haben. Dabei geht es wieder um das, was Don mit einer Win-Win-Situation gemeint hat. Endbenutzer können mehr Wertschöpfung aus dem System erzielen, und der Lieferant hat weiterhin ein lebensfähiges Geschäftsmodell.

Tim Crawford: Ja, das stimmt. Don hat das angesprochen, die Herausforderungen bei proprietären Systemen, aber auch die Gelegenheiten, die durch offene Systemarchitekturen und Technologieumfelder geschaffen werden. Bei unserer nächsten Frage geht es um einen zentralen Punkt. Unabhängig davon, von welcher Art von Innovation oder Technologie die Rede ist, Cybersecurity steht natürlich an erster Stelle. Wie werden moderne Cybersecurity-Bedrohungen in einem Open Process Automation-System angegangen?

Brad Houk: Cybersecurity hat seit den Anfängen von Open Process Automation höchste Priorität. Sie war ein Teil der ursprünglichen Motivation, uns von unserem historischen geschlossenen proprietären System zu verabschieden, dessen Sicherheitsfunktionen nicht besonders ausgeklügelt waren, oder kam dann zusätzlich hinzu. Die vom Open Process Automation-Forum entwickelten Standards werden die besten verfügbaren Sicherheitsanforderungen derzeit verfügbarer Organisationen wie z. B. der IFA voll nutzen. Wir glauben, dass durch die Einhaltung der Standards und deren Integration in unsere Open Process Automation-Struktur offene Systeme sicherer werden, als sie derzeit auf dem heutigen Markt sind.

Tim Crawford: Prima. Unsere nächste Frage behandelt eher die Zukunft. Dabei möchte ich natürlich berücksichtigen, dass ExxonMobil ein börsennotiertes Unternehmen ist. Können Sie mir sagen, wie die Rolle von ExxonMobil bei OPA in Zukunft aussehen könnte?

Brad Houk: Aber sicher, wir sind ja schon seit mehreren Jahren in diesem Bereich aktiv. Wir haben enorm viel investiert. Wir fühlen uns dem Erfolg von OPA verpflichtet. Insbesondere erwarten wir, durch frühes Testen weiterhin eine Führungsfunktion in der Branche einzunehmen. Dabei geht es um Komponenten und Standards. Sie haben vielleicht schon etwas zu unseren Kooperationspartnern gehört. Wir haben andere Endbenutzerunternehmen involviert, mit denen wir zusammenarbeiten, um die Entwicklung des Prüfstands zu beschleunigen und dadurch parallele Feldversuche zu unterstützen. Außerdem glauben wir fest daran, dass ExxonMobil weiterhin eine führende Stimme zu Endbenutzeranforderungen bei der Entwicklung der Standards sein wird.

Tim Crawford: Prima. Bei unserer nächsten Frage geht es auch mehr oder weniger um die Zukunftsorientierung, aber eher in strategischer Hinsicht. Können Sie etwas zu strategischen Verpflichtungen von ExxonMobil sagen? Dieser Bereich ist meiner Meinung nach mit Innovation und OPA sowie unserem Partnerschafts-Mix verknüpft.

Brad Houk: Nick hat bereits die Bedeutung von Technologie für ExxonMobil angesprochen. Don hat sich auch schon zu unserer Verpflichtung zur Innovation geäußert. Als Forschungs- und Technikorganisation fühlen wir uns verpflichtet, für unsere Fertigungswerke mithilfe von Automatisierung und Prozesssteuertechnik einen Wettbewerbsvorteil zu schaffen. In Zukunft werden einige der Möglichkeiten wohl die Nutzung der künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens sein. Dabei handelt es sich um potenziell neue, umfassende Anwendungen, die signifikante Auswirkungen auf die Leistungen unserer Assets haben könnten. Wir sind davon überzeugt, dass der Zugang zu einem Open Process Automation-System die Grundlage für unsere zukünftigen Automatisierungsaktivitäten bildet. Open Prozess Automation ist also das Fundament und der Schlüssel für den Fortschritt. Nämlich, um unsere Verpflichtung zu Wettbewerbsvorteilen in Zusammenhang mit Automatisierung und Prozesssteuerung zu erfüllen.

Tim Crawford: Prima. Damit möchte ich unser Gespräch zum Abschluss bringen. Nick, Kenny, Don, Brad, herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, sich heute mit uns zu unterhalten. Mary, ich übergebe damit zum Abschluss wieder an Sie.

Mary Killelea: Prima! Noch einmal danke an alle Teilnehmer! Wir freuen uns wirklich, dass Sie sich die Zeit dazu genommen haben. Im neuen Jahr werden weitere interessante Kunden-Spotlight-Gespräche folgen, bei denen datenzentrische Innovationen hervorgehoben werden. Allen ein herzliches Dankeschön!

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