Wie Stephen Hawking einen wichtigen Beitrag zur Förderung innovativer Kommunikationstechnik leistete

Der berühmte Physiker entwickelte gemeinsam mit Intel ein Kommunikationssystem, das ihm gestattete, seine Gedanken auszudrücken.

Professor Stephen Hawking, der im März im Alter von 76 Jahren verstarb, war in mehrfacher Hinsicht ein Pionier der Computertechnik. Als bei ihm im Alter von 21 Jahren die Motoneuronen-Erkrankung ALS (amyotrophe Lateralsklerose) diagnostiziert wurde, prophezeiten seine Ärzte, dass er innerhalb weniger Jahre sterben würde. Aber der berühmte britische Physiker lebte noch über fünf Jahrzehnte und wurde einer der einflussreichsten Denker unserer Zeit.

„Nur wenige Menschen sind in der Lage, in ihrem Fachgebiet derart über sich hinauszuwachsen, wie es Professor Hawking zu Lebzeiten gelang. Wir werden ihn schmerzlich vermissen.“

Mit seinen bahnbrechenden Theorien zum Urknall und zu Schwarzen Löchern, aber auch durch sein populärwissenschaftlichen Bestseller „Eine kurze Geschichte der Zeit“, gelangte der Wissenschaftler zu weltweiter Berühmtheit. Er war in der Lage, komplexe Themen für die Allgemeinheit verständlich zu erklären, obwohl er in den 1980ern seine Sprachfähigkeit verlor und fortan mithilfe eines Computersystems kommunizieren musste. Hawking, der auch als Director of Research am Centre for Theoretical Cosmology der University of Cambridge tätig war, war für seine Zielstrebigkeit, seinen Sinn für Humor und seine Liebe zu Science-Fiction bekannt. Zudem war er ein Befürworter innovativer Kommunikationstechnik, die es ihm gestattete, seine Arbeit fortzusetzen.

Als er 1997 den Intel-Mitbegründer Gordon Moore traf, entstand daraus eine langfristige Zusammenarbeit. 2014 entwickelte Intel ACAT (Assistive Context Aware Toolkit), eine neue und speziell angepasste Kommunikationsplattform, die Hawkings altes System ersetzen sollte. Der legendäre Physiker war in den Designprozess der neuen Plattform maßgeblich eingebunden, die es ihm ermöglichen sollte, zweimal so schnell zu tippen wie zuvor. Mit dem neuen System konnte Hawking Zeichen auswählen, indem er seine Wangenmuskeln bewegte und dies von einem in seine Brille integrierten Infrarotsensor erfasst wurde. So konnte er nicht nur über seine Sprachsynthesizer kommunizieren, sondern seinen Computer auch verwenden, um im Web zu browsen oder Vorträge zu schreiben. Mit Personen, die ihn gut genug kannten, um seine Mimik zu interpretieren, konnte er sogar Skype*-Anrufe führen.

„Da die Medizin nicht in der Lage ist, mich zu heilen, bin ich auf Computertechnik angewiesen, die mir bei der Kommunikation und im Leben hilft“, sagte Hawking 2014 über sein neues Kommunikationssystem. „Intel unterstützt mich seit annähernd 20 Jahren und ermöglicht mir, Tag für Tag das zu tun, was ich liebe. Die Entwicklung dieses Systems hat das Potenzial, das Leben körperlich beeinträchtigter Menschen rund um den Globus zu verbessern. Es ist richtungweisend, sowohl im Bereich der menschlichen Interaktion als bei der Überwindung von Kommunikationshürden, die einst unüberwindbar waren.“

Während Hawkings charakteristische, digital generierte Stimme urheberrechtlich geschützt ist, machte Intel das ACAT-Kommunikationssystem als Open Source verfügbar. So kann es von Forschern in der ganzen Welt kostenlos verwendet und an verschiedene Benutzer mit einem unterschiedlichen Grad an körperlicher Beeinträchtigung angepasst werden.

„Die Arbeit mit Stephen war das bedeutungsvollste Vorhaben in meinem ganzen Leben und zugleich die größte Herausforderung“, sagte Lama Nachman, Intel Fellow und Leiterin des Teams, das an Hawkings Computerschnittstelle arbeitete. „Diese Zusammenarbeit berührte mich in meiner tiefsten Seele und zeigte auf beeindruckende Weise, wie Computertechnik das Leben von Menschen tiefgreifend verändern kann. Ihm zu Ehren werden wir diese Technik in der Open-Source-Community weiterentwickeln und verbessern, damit sie alle Menschen erreicht, die Hilfe benötigen. Dies war für ihn eine echte Herzensangelegenheit.“

Hawking war fest davon überzeugt, dass freier Zugang Innovation fördert. 2017 wurde seine bahnbrechende Dissertation „Properties of Expanding Universes“ (Merkmale sich ausdehnender Universen) aus dem Jahr 1966 für online für alle frei zugänglich gemacht. Bis März 2018 wurde sie beinahe eine Million Mal abgerufen1. Hawking hoffte, dass seine Arbeit – eine komplexe Abhandlung über den Ursprung des Universums – künftige Generationen inspirieren würde, wenn sie der Allgemeinheit als kostenlose Online-Veröffentlichung zur Verfügung stehen würde. Die Universität hat nun die Hoffnung, dass dieser Schritt andere ehemalige Wissenschaftlicher der Universität Cambridge motivieren wird, ihre Forschungsarbeiten ebenfalls für jeden zugänglich zu machen. Damit könnte die Hürde zwischen Mensch und Wissen überwunden und technische Innovationen und wissenschaftliche Durchbrüche gefördert werden.

„Jeder Mensch auf der ganzen Welt sollte freien, ungehinderten Zugang nicht nur zu meiner Forschungsarbeit, sondern auch zu der jedes großen und wissbegierigen Denkers im gesamten Spektrum des menschlichen Wissens haben“, bekräftigte Hawking im vergangenen Jahr.

Neben seiner wegweisenden Arbeit über theoretische Physik, die dazu betrug, dass wir das Universum besser verstehen, ist Hawkings Vermächtnis auch von seinem Tatendrang und seiner Offenheit gegenüber Innovationen geprägt. Sie brachten ein bahnbrechendes Kommunikationssystem hervor, das zahllosen anderen Menschen mit eingeschränkter Mobilität helfen wird.

In einer offiziellen Stellungnahme beschrieb Intel Hawking als „einen großen Denker, der uns alle inspirierte“, und fügte hinzu, dass „Intel von dieser Nachricht zutiefst betroffen ist und sich geehrt fühlt, all die Jahre mit ihm zusammengearbeitet zu haben. Nur wenige Menschen sind in der Lage, in ihrem Fachgebiet derart über sich hinauszuwachsen, wie es Professor Hawking zu Lebzeiten gelang. Wir werden ihn schmerzlich vermissen.“

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