Übertaktung der CPU mit Intel® Extreme Tuning Utility

Highlights:

  • Benchmark

  • Fortgeschrittenes Tuning

  • Messen des Leistungsgewinns

  • Systemstabilität

  • Überwachung

author-image

Von

Übertakten ist eine praktische Möglichkeit, mehr Leistung aus der CPU (Central Processing Unit) herauszuholen.

Beim Übertakten wird die Taktfrequenz der CPU vorsichtig bis zu einem Maximum erhöht und die Spannungsregulierung entsprechend angepasst, sodass der Prozessor mit höheren Werten betrieben wird als in den Standard-Spezifikationen angegeben. Bei richtiger Ausführung kann dies zu einer höheren Leistung der CPU führen und dadurch möglicherweise zu einer besseren Leistung des PCs insgesamt.

Dieser Leitfaden beschreibt die Anwendung des Intel® Extreme Tuning Utilitys (Intel® XTU) für das einfache Übertakten der CPU. Mit manuellen Einstellungen eine stabile Übertaktung zu erreichen, kann zeitaufwändig sein, und diese kostenlose Software vereinfacht den Vorgang erheblich.

Das Intel® Extreme Tuning Utility (Intel® XTU) ist für Benutzer mit mittlerer Erfahrung gedacht, die grundlegende Kenntnisse über das Übertakten und die Funktionsweise haben. Falls du keine entsprechenden Kenntnisse hast, empfehlen wir, unseren Leitfaden für das Übertakten zu lesen, bevor du fortfährst.

Als Beispiel verwenden wir in diesem Leitfaden einen Intel® Core™ i9-9900K Desktop-Prozessor, und unsere Empfehlungen und Ergebnisse beziehen sich auf diesen Prozessor. Einige Einstellungen können je nach verwendetem Prozessor variieren, da es sogar zwischen identischen CPU-Modellen Schwankungen gibt. Du solltest also nicht davon ausgehen, dass du genau dieselben Ergebnisse erhältst wie wir, auch wenn du ähnliche Hardware verwendest.

Durch eine Änderung der Taktfrequenz oder Betriebsspannung können beliebige Produktgarantien erlöschen und die Stabilität, Leistung und Lebensdauer des Prozessors und anderer Komponenten reduziert werden.

Übertakten in Windows mit dem Intel® Extreme Tuning Utility (Intel® XTU)

Lange Zeit wurde das Übertakten mit manuellen Einstellungen im BIOS durchgeführt, dem grundlegenden Eingabe-Ausgabe-System (Basic Input Output System), das das Betriebssystem lädt. Das Übertakten ist zwar nach wie vor auf diese Art möglich; Intel hat die Vorgehensweise jedoch mit einer Software vereinfacht, die innerhalb von Windows angewendet werden kann.

Das Intel® Extreme Tuning Utility (Intel® XTU) bietet eine benutzerfreundliche Oberfläche und funktioniert bei den meisten modernen Mainboard-Marken und -Modellen, was es zu einer idealen universellen Übertaktungsoption macht.

Das Intel® XTU kann hier kostenlos heruntergeladen werden.

Überwachung des Systems

Die Temperatur der CPU zu überwachen, ist äußerst wichtig beim Übertakten. Glücklicherweise verfügt das Intel® XTU über integrierte Temperaturüberwachungssysteme und meldet, wenn kritische Pegel erreicht und wenn Schutzmaßnahmen aktiviert werden.

Eine solche Schutzmaßnahme ist die dynamische Taktfrequenzanpassung (Dynamic Frequency Scaling) bzw. temperaturbedingte Drosselung (thermal throttling). Dieser Prozess wird ausgelöst, wenn die CPU-Temperatur den vorgegebenen maximalen Wert erreicht oder übersteigt und schützt die CPU durch die Reduzierung der Leistung, bis wieder eine geringere Temperatur erreicht wird. Die reduzierte Leistung wird in den Benchmark-Ergebnissen des Intel® XTU deutlich.

In der Benutzeroberfläche des Intel® XTU wechselt die Farbe einer Anzeige von Blau (OK) zu gelb (nicht OK), wenn dies geschieht.

Es gibt noch andere Vorsorgemaßnahmen, die dir bei der Verwendung des Intel® XTU begegnen können. Es ist wichtig zu wissen, was ihr Sinn ist, wenn sie beim Übertakten aktiviert werden.

  • Power Limit Throttling (Begrenzung der Verlustleistung): Diese Einstellung kann der CPU ermöglichen, mit höherer Verlustleistung (Watt) zu arbeiten, auch wenn dadurch die empfohlenen Werte überschritten werden.
  • Current Limit Throttling (Strombegrenzung): Hier kannst du die Stromaufnahme der CPU mit dem Schieberegler „Processor Core ICCMAX“ anpassen. Achte darauf, dass dein System eine ausreichend leistungsstarke Kühlvorrichtung hat, bevor du diese Einstellung anpasst, da sie erhebliche Auswirkungen auf die Wärmeentwicklung der CPU haben kann.
  • Motherboard VR Thermal (Überhitzung des Mainboard-Spannungsreglers): Diese Schutzfunktion wird aktiv, wenn der Stromfluss durch das Spannungsreglermodul (VRM, Voltage Regulator Module) zu einer übermäßigen Wärmeentwicklung führt. Um dieses Problem zu beheben, musst du möglicherweise die vorgegebene maximale Mainboard-Temperatur erhöhen oder das Kühlsystem neu konfigurieren, um den Bereich des Mainboards in der Nähe der CPU wirksamer zu kühlen.

Die Energieeinstellungen und Temperaturen werden nicht ohne Grund sorgfältig überwacht. Denke bei der Anpassung dieser Parameter an die Empfindlichkeit der elektrischen Komponenten. Vermeide zwischen den Tests große Sprünge in den Einstellungen und sorge für eine geeignete Kühlvorrichtung, wenn du diese Variablen ändern möchtest.

Weitere Informationen siehe Energieverbrauch und Wärmeabgabe (Power Consumption and Heat Output).

Nachdem du nun weißt, welche Sicherheitsparameter dir begegnen könnten, beginnen wir mit dem ersten Schritt des Übertaktens.

1. Schritt: Baseline-Leistung bestimmen

Bevor du Änderungen an den Einstellungen vornimmst, empfiehlt es sich, einen Wert für die anfängliche Computerleistung zu bestimmen. Auf diese Weise kannst du leicht die durch erfolgreiches Übertakten erreichten Leistungssteigerungen feststellen.

Zu diesem Zweck können wir die beiden integrierten Benchmarkoptionen des Intel® XTU verwenden.

Basic Tuning (einfaches Tuning): Klicke auf dieser Seite auf die Schaltfläche „Run Benchmark“ (Benchmark ausführen). Dadurch wird die Leistung deines Systems getestet und ein Ergebnis ausgegeben.

Benchmarking: Auf der Benchmarking-Seite gibt es dieselbe „Run Benchmark“-Schaltfläche. Dieser Abschnitt enthält zusätzliche Informationen, die für erfahrenere Benutzer nützlich sein könnten, z. B. die maximale Taktfrequenz des Prozessors und die maximale während des Benchmarking-Prozesses erreichte Temperatur.

Sobald der Benchmark abgeschlossen ist, wird ein Ergebnis angezeigt, das als Ausgangswert für die Leistung dient. Beim Test unseres Intel® Core™ i9-9900K Prozessors erhielten wir einen Benchmarkwert von 3239 Marks. Der Wert bei deinem Computer wird wahrscheinlich anders sein, jedenfalls solltest du ihn unbedingt notieren, weil du dich später wieder darauf beziehst.

2. Schritt: Anpassung der Leistungseinstellungen

Da wir nun einen Ausgangswert für die Leistung haben, können wir beginnen, die Parameter der CPU anzupassen und eine Übertaktung zu versuchen.

Du kannst dich zwar hier ausführlich über die Grundlagen des Übertaktens informieren, der grundsätzliche Ablauf ist jedoch Folgender: Man beginnt mit der Einstellung des Taktfrequenzmultiplikators (CPU Core Ratio). Dann werden die Änderungen angewendet („apply“) und das System gebootet (Starten von Windows). Wenn das Booten erfolgreich war, kannst du den Benchmarktest starten und sehen, ob das Ergebnis verbessert wurde. Falls das System abstürzt, kehrst du ins Intel® XTU zurück, rufst die letzten als funktionsfähig bekannten Einstellungen auf und versuchst es erneut. Für solche Fälle ist es praktisch, wenn du deine Einstellungen in einem Profil speicherst.

Wenn du Einstellungen gefunden hast, die zu einem erfolgreichen Übertakten und einem stabilen System führen, kannst du das Profil im Intel® XTU speichern, damit du eine als funktionierend bekannte Konfiguration hast. Das kann bei der Wiederholung unterschiedlicher Tests und für das Speichern erfolgreicher Tests nützlich sein.

Wenn du das aktuelle Profil speichern möchtest, wechselst du im Menü auf die Seite „Profiles“ und klickst auf „ Save“ (Speichern). Du kannst deinen Profilen Namen geben und sie ordnen.

Wenn du ein gespeichertes Profil laden möchtest, wechselst du zur Seite „Profiles“ und wählst das zu ladende Profil aus. Klicke auf die Schaltfläche „Show Values“ (Werte anzeigen), um die Einstellungen vorab zu laden (die geänderten Werte erscheinen gelb) und dann auf „Apply“ (Anwenden), um diese Einstellungen zu verwenden.

Für das Übertakten mit dem Intel® XTU stehen zwei Methoden zur Verfügung: Basic Tuning und Advanced Tuning (einfaches und fortgeschrittenes Tuning).

Basic Tuning (einfaches Tuning)

Wie der Name schon andeutet, bietet diese Option nur eine begrenzte Auswahl an Parametern, die angepasst werden können. Für Neulinge ist dies ein guter Einstieg.

Passe auf dieser Seite den „Processor Core Ratio“-Schieberegler an, indem du ihn um jeweils 1 Einheit erhöhst. Diese Multiplikatoren werden am besten in kleinen Schritten erhöht, gefolgt von einem Neustart des Systems und einer Überprüfung der Stabilität, anstatt die Einstellungen gleich drastisch zu ändern.

Dasselbe gilt für den Schieberegler „Processor Cache Ratio“. Mit diesem wird die Taktfrequenz jenes Teils der CPU anpasst, der die Kerne mit dem Prozessor-Cache verbindet. Wenn der Cache-Multiplikator niedriger eingestellt wird als der für die Prozessorkerne, kann dies die Leistung verringern. Wenn du den Computer zum ersten Mal übertaktest, solltest du die Taktfrequenz in etwa gleich hoch einstellen, du kannst jedoch ruhig experimentieren, um zu sehen, welche Einstellung am besten funktioniert.

Wenn du mit dem Prozessorkernmultiplikator (Processor Core Ratio) experimentieren möchtest, dann erhöhe den Wert nur jeweils um 1, wende die Änderungen an (apply) und teste das System.

Nachdem die Einstellungen geändert und angewendet wurden, geht es weiter mit dem „3. Schritt: Leistungssteigerung messen“. Wenn das System instabil geworden ist, was zu einem Aufhängen oder Herunterfahren führt, starte das System einfach neu, und die letzten als funktionierend bekannten Einstellungen sollten wiederhergestellt werden.

Advanced Tuning (fortgeschrittenes Tuning)

Der Menüpunkt Advanced Tuning bietet weitere Optionen für die Steuerung der CPU-Funktion. Diese Optionen sind für fortgeschrittenere Benutzer konzipiert, denen die Prinzipien der Übertaktung vertraut sind.

Auf dieser Seite kannst du den Prozessorkernmultiplikator für jeden einzelnen Kern ändern. Um den Multiplikator aller CPU-Kerne auf einmal zu ändern, kannst du den Pfeil rechts neben dem letzten aufgelisteten „Core“-Schieberegler verwenden. Außerdem kannst du in diesem Abschnitt genauere Änderungen am Prozessorcache-Multiplikator vornehmen. Wie bereits unter Basic Tuning erläutert, ist es am besten, für diese beiden Einstellungen beim ersten Übertaktungsversuch ungefähr denselben Wert zu wählen.

Ein weiterer Abschnitt ermöglicht dir, den Vcore-Wert (Core Voltage, Betriebsspannung der CPU-Kerne) anzupassen. Damit eine CPU mit höherer Taktfrequenz betrieben werden kann, benötigt sie möglicherweise eine höhere Betriebsspannung, um stabil zu bleiben, weshalb es wichtig ist, Vcore anpassen zu können. Sie kann erhöht werden, um sich höheren Core-Multiplikatoren anzupassen, wenn sich das System instabil verhält.

Wenn du den Vcore-Defaultwert nicht kennst, die Betriebsspannung aber trotzdem erhöhen willst, kannst du den Schieberegler „Core Voltage Offset” (Kernspannung-Abweichung) verwenden. Dann wird der aktuelle Vcore-Wert dem gewählten Wert hinzugefügt. Bei der Änderung dieser Einstellungen sollten die in einem Schritt durchgeführten Änderungen nicht größer als 0,05 V sein.

Hinweise zur Anpassung von Betriebsspannungen:

  • Wenn du die Kernbetriebsspannung der CPU (Vcore) auf einen bestimmten Wert ändern möchtest, dann wähle diesen einfach mit dem Schieberegler „Core Voltage“ aus.
  • Die Werte der „Core Voltage“- und „Core Voltage Offset“-Regler werden bei der Anwendung der Änderung addiert. Beispiel: Wenn du für Vcore den Wert 1,1 V einstellst und einen Offset-Wert von +0,2 V, dann legst du effektiv eine Betriebsspannung von 1,3 V fest.

Der Abschnitt Advanced Tuning lässt viele Einstellungen zu, mit denen du experimentieren kannst, aber wenn das Übertakten noch Neuland für dich ist, solltest du dich auf die wichtigsten Einstellungen „Processor Core Ratio“, „Prozessor Cache Ratio“ und eventuell „Core Voltage“ konzentrieren. Dank den eingebauten Sicherheitsfunktionen wirst du die CPU wahrscheinlich nicht beschädigen, wenn du andere Einstellung änderst; solange du jedoch nicht genau weißt, wozu diese Einstellungen da sind und welche Auswirkungen sie auf die CPU haben, ist es vielleicht am besten, sich nur mit diesen drei Grundeinstellungen zu beschäftigen.

Denke daran, alle Änderungen langsam vorzunehmen und nie mehr als eine Einstellung gleichzeitig zu ändern. Klicke nach einer Anpassung auf die gelbe Schaltfläche „Apply“ (Anwenden) in der Benutzeroberfläche des Intel® XTU.

3. Schritt: Leistungssteigerung messen

Nachdem du Änderungen im Intel® XTU vorgenommen und sichergestellt hast, dass dein System stabil ist, wird es Zeit, zu untersuchen, ob sich die Änderungen positiv auf die Leistung der CPU auswirken.

Das lässt sich feststellen, indem du den Benchmarktest erneut laufen lässt und das Ergebnis mit dem vorherigen Wert vergleichst. Wenn die geigneten Änderungen vorgenommen wurden, solltest du eine Steigerung der mit dem Benchmark ermittelten Leistung sehen. Diese Zahl wird ja nach verwendeter CPU verschieden sein, allgemein gilt für das Übertakten jedenfalls: höher ist besser.

Wenn du mit der Leistungssteigerung zufrieden bist, kannst du mit dem nächsten Schritt fortfahren und die Stabilität des Systems überprüfen. Im anderen Fall kannst du den Tuning-Ablauf so lange wiederholen, bis du das gewünschte Leistungsniveau für dein System erreichst.

In diesem Leitfaden verwenden wir zur Messung der CPU-Leistung den Benchmarktest des Intel® XTU. Je nachdem, wie du die CPU deines Computers einsetzen möchtest, kannst du andere Benchmarks verwenden, die deine Computernutzung genauer widerspiegeln, z. B. Videocodierung, Foto-Stapelverarbeitung, Leistung im Spiel usw.

Hier kannst du mehr über die verschiedenen verfügbaren Benchmarking-Möglichkeiten erfahren.

4. Schritt: Systemstabilität und Stresstests

Die letzte Phase des Übertaktens stellt sicher, dass dein System mit der übertakteten CPU stabil bleibt. Ein einfacher Benchmarktest reicht sicher nicht aus, um die Stabilität des Systems insgesamt zu bestimmen, da die meisten Benchmarks eine lang andauernde CPU-Nutzung mit hoher Belastung nicht ausreichend simulieren. Um die Stabilität gründlich zu testen und eine übertaktete CPU bei hoher Auslastung zu prüfen, ist ein längerer Test erforderlich.

Glücklicherweise bietet das Intel® XTU integrierte Stresstests, die auf der Seite „Stress Test“ zu finden sind. Du kannst auswählen, welche Komponente getestet werden soll (CPU, Arbeitsspeicher oder integrierte Grafik) und wie lange der Test laufen soll – von wenigen Sekunden bis zu 30 Tagen.

Hier sind einige Vorschläge für sinnvolle Zeitspannen:

  • 5 Minuten für einen schnellen Stabilitätstest. Das wird wohl keine 24/7-Auslastung widerspiegeln, aber strenger sein als der im Intel® XTU integrierte Benchmarktest.
  • 30 Minuten, um solide Stabilität zu sichern und Einblick in die Temperaturen der CPU unter Last zu erhalten. Dies ist eine zuverlässige Methode für den Test der Kühlvorrichtung.
  • 3 bis 5 Stunden oder länger zur Bestätigung einer stabilen Übertaktung im 24/7-Betrieb.

Einfacheres Übertakten

Das Intel® Extreme Tuning Utility (Intel® XTU) vereinfacht den Ablauf beim Übertakten, damit du schnell und sicher die Vorteile genießen kannst.

Wenn dir die Vorgehensweise gefallen hat, interessiert dich vielleicht auch das Übertakten des RAMs, und wenn du nach Hardware suchst, die das Übertakten unterstützt, sieh dir unseren Ratgeber für die Auswahl des richtigen Mainboards an.