Während die Begeisterung für Kryptowährungen auf der ganzen Welt anhält, findet auch die Technologie, die dahinter steckt, immer mehr Beachtung im Mainstream. Blockchain und die daraus hervorgegangenen Philosophien, Produkte und Dienstleistungen sind ebenso allgegenwärtig wie sie nützlich sind. Doch wie funktioniert diese revolutionäre Technologie? Und wie sieht es in der Praxis aus, für Einzelpersonen und die Branchen, in denen sie arbeiten?
Blockchain ist eine Distributed-Ledger-Technologie, die die Notwendigkeit einer zentralen Autorität aufhebt und die Art und Weise des Datenaustauschs durch eine höhere Effizienz und Transparenz transformiert. Zwischen den Knoten in einem Peer-to-Peer-Netzwerk wird Vertrauen aufgebaut und die Transaktionen werden über diese dezentralen Knoten verifiziert. Einfach gesagt: Blockchain besteht aus einer Kette von Blöcken, die jeweils Informationen enthalten. Diese Aneinanderreihung von informationshaltigen Blöcken wird mithilfe kryptografischer Schlüssel, sogenannter Hashes, zusammengehalten. Sobald Daten einmal in einer Blockchain aufgezeichnet wurden, ist es sehr schwierig, Änderungen vorzunehmen, was sie zu einer unveränderlichen Informationsquelle macht.
Zwar ist Blockchain vor allem dafür bekannt, dass sie die Grundlage für Kryptowährungen bildet, doch könnte sie schon bald einen größeren Bereich des Alltags in zahlreichen Branchen prägen.
1. IoT-Cybersicherheit
Vordergründig scheint das Konzept einer zentralisierten Sicherheitsarchitektur weniger Angriffsmöglichkeiten zu bieten als eine verteilte Architektur. Sind zentralisierte Kommunikations- und Sicherheitsarchitekturen wie die Public-Key-Infrastruktur (PKI), die nur einen einzigen Angriffspunkt bieten, nicht die bessere Wahl verglichen mit ihren dezentralen Gegenstücken?
Wenn es um IoT-Sicherheit geht, ist die Antwort ein klares Nein. PKI macht IoT-Systeme anfällig für Man-in-the-Middle-Angriffe sowie für Single Points of Failure in verteilten Netzwerken. An dieser Stelle kommt die Blockchain ins Spiel. Durch den Einsatz mehrerer, dezentraler Knoten zum Aufbau von Vertrauen in einem Peer-to-Peer-Netzwerk können Transaktionen auch dann noch verifiziert werden, wenn ein einzelnes Netzwerk ausfällt. Die Resilienz dieser verteilten Sicherheit am Netzwerkrand wird durch die kryptografischen Hashes der Blockchain erhöht, die die Blöcke in einer Sequenz aneinanderreihen. Die Transaktionen werden anhand einer gemeinsamen Historie validiert, wodurch sie gegen Man-in-the-Middle-Angriffe geschützt sind.
Darüber hinaus gibt es auch einen Aspekt der Skalierbarkeit: Je mehr Knoten in einem Blockchain-Netzwerk vorhanden sind, desto mehr Ressourcen werden für die Verifizierung einer bestimmten Transaktion aufgewendet und umso höher ist auch die Sicherheit. Wenn es um Blockchain-basierte Sicherheitslösungen geht, gibt es zahlreiche Möglichkeiten.
2. Finanzdienstleistungen
Nachdem die Blockchain-Technologie zunächst im Schattenreich der Kryptowährungen Aufmerksamkeit erregt hatte, schien es unwahrscheinlich, dass sie in den Mainstream der Finanzdienstleistungsbranche vordringen würde. Inzwischen wird alles, von Fintech bis zur Regulierung des Finanzsektors, auf Basis dieser Technologie überarbeitet, wobei der Schwerpunkt auf Sicherheit, Transparenz und Effizienz liegt.
Blockchain läutet ein neues Zeitalter der digitalen Finanzwelt ein. Banking mittels Blockchain – eine Kombination aus Verschlüsselung und dezentraler Datenspeicherung – ist nicht nur schneller und kostengünstiger als herkömmliche Banking-Modelle, sondern ermöglicht zudem eine genaue Buchführung und ein außergewöhnlich hohes Maß an Sicherheit. Innerhalb der Finanzdienstleistungsbranche gelten strengere regulatorische Standards als in vielen anderen Branchen. Die facettenreichen Sicherheitsverbesserungen der Blockchain, besonders ihr unbestreitbarer Prüfpfad, sorgen für eine symbiotische Partnerschaft.
Das digitale Banking bildete einst das Metier informierter Millennials und traditionelle Banken, die historisch betrachtet eher langsam in Sachen Innovation sind, versuchen verstärkt, ihre Dienstleistungen zu digitalisieren, den Betrieb zu rationalisieren, die Infrastrukturkosten zu senken und den Gewinn zu maximieren – und zwar mithilfe der Blockchain.
3. Gesundheitswesen
Die Blockchain eignet sich aufgrund ihrer unveränderlichen, dezentralen Protokollierung von Transaktionsdaten ideal für die Speicherung – und vor allem für die Sicherung – von Gesundheitsdaten. Patienteninformationen umfassen nicht nur Krankenakten und Testergebnisse, sondern auch personenbezogene Daten wie Kontaktdaten und Zahlungsarten. Das Ausmaß des Schadens, der durch die Verletzung von Gesundheitsdaten durch eine böswillige Drittpartei entstehen kann, ist beträchtlich, weshalb die gegen Manipulationen geschützte Art der Aufzeichnung, die Blockchain bietet, einen unschätzbaren Wert für die Gesundheitsbranche darstellt.
Da Blockchain nicht auf ein zentrales Repository angewiesen ist und die für eine zentrale Behörde entstehende Verantwortung entfällt, diese Daten zu speichern, zu verwalten und zu besitzen, können Gesundheitsdienstleister auf einfache Weise schnell und sicher auf Patienteninformationen zugreifen. Ganz gleich, wie oft Sie den Arzt wechseln, Ihre Patienteninformationen sind weiterhin zugänglich und nicht manipulierbar.
4. Digitale Identifikation
Die historische Verwendung von Blockchain im Bereich Kryptowährung hat zur Folge, dass oft der Irrglaube besteht, die Technologie werde dazu verwendet, die Identitäten der Anwender zu verbergen. Allerdings kann sie durch ihre Fähigkeit, einen unwiderlegbaren Datensatz zu generieren, eine Schlüsselrolle in Sachen digitaler Identifikation auf internationaler Ebene spielen.
Die nicht manipulierbare Natur der Blockchain-Technologie ermöglicht es Menschen, sich auf relativ einfache Weise online auszuweisen. Dies hat eine demokratisierende Wirkung auf den Zugang zu Identifikation und gibt Menschen, die beispielsweise während der Flucht aus Kriegsgebieten oder vor Naturkatastrophen ihre Ausweispapiere verloren haben, die Möglichkeit, ihre Identität nachzuweisen. Das wiederum befähigt Flüchtlinge dazu, sich an einer Schule oder Hochschule anzumelden, Arbeit zu finden oder ein Bankkonto zu eröffnen.
5. Supply-Chain-Management
Da das vergangene Jahr viele davon abgehalten hat, in Geschäften in der Nachbarschaft zu stöbern und lokale Produkte zu kaufen, führte die Zunahme des Online-Shoppings dazu, dass die weitreichende Lieferkette wichtiger denn je wurde. Auf Grund der Tatsache, dass die Aufzeichnungen der Blockchain nicht von Menschen überschrieben werden können, bietet die Technologie ein nicht anfechtbares Transaktionsprotokoll, das sich gut für die Verfolgung von Lieferketten eignet.
Intelligente Verträge – auf der Blockchain gespeicherte Programme, die die Ausführung einer Vereinbarung auslösen können, sobald bestimmte Bedingungen erfüllt sind – können auch im Supply-Chain-Management sinnvoll eingesetzt werden. So könnte zum Beispiel, sobald eine Warensendung ihr vereinbartes Ziel erreicht, ein intelligenter Vertrag verwendet werden, um die Erfüllung des Auftrags zu protokollieren und eine Reihe weiterer logistischer Schritte einzuleiten.