Vom Scheckeinzug bis zum kontaktlosen Bezahlen: warum die Finanzbranche eine Echtzeit-Ökonomie braucht

Im ersten Artikel unserer Reihe, die dem Finanzsektor gewidmet ist, untersuchen wir die Auswirkungen der Zweiten Zahlungsdiensterichtlinie und die Bedeutung von Echtzeit-Transaktionen

Das Wichtigste im Überblick

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    Häufig dauert es noch bis zu 7 Tage, Beträge zwischen Konten zu transferieren und Transaktionen abzuwickeln.

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    Die Zweite Zahlungsdiensterichtlinie der EU wird den Finanzsektor revolutionieren.

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    Investitionen in smarte Technik und die Rechenzentrumsmodernisierung sind der Schlüssel für Finanzinstitute.

Für Finanzinstitute in der EU läuft die Zeit – es bleiben ihnen weniger als 12 Monate, um die Zweite Zahlungsdiensterichtlinie in vollem Umfang umzusetzen. Das Ende der Frist im Januar 2018 rückt näher und es wird immer deutlicher, dass die Zweite Zahlungsdiensterichtlinie ein Erdbeben in der europäischen Finanzlandschaft verursachen wird.

Die Kernziele der Richtlinie sind, den Wettbewerb zu fördern, die Funktionalität für Bankkunden zu verbessern, die Sicherheit zu erhöhen und die Kosten für Dienstleistungen zu senken. Nach den Worten von Daryl Wilkinson, Managing Director von DWC und vorheriger Head of Innovation bei der Nationwide Building Society, bedeutet dies, dass die Zweite Zahlungsdiensterichtlinie die „revolutionärste einzelne Veränderung“ in der Bankgeschichte auslösen wird.

Um die langfristigen Auswirkungen der Zweiten Zahlungsdiensterichtlinie zu veranschaulichen, empfiehlt Wilkinson einen Blick auf die Regulierung der Entbündelung von Teilnehmeranschlussleitungen (Local loop unbundling, LLU), die für den Telekommunikationsmarkt von Großbritannien im Jahr 2000 in Kraft trat. Die LLU forderte vom vorherrschenden Telekommunikationsdiensteanbieter BT, die Vermittlungseinrichtungen für Mitbewerber zu öffnen, was zu einer aggressiven Entwicklung in diesem Sektor führte, da die Konkurrenten nun hochwertige Dienste auf Niedrigpreisniveau im Markt platzieren konnten.

Im Laufe der kommenden zehn Jahre werden wir wahrscheinlich ähnliche Auswirkungen im Finanzsektor erleben. Fintech-Start-ups werden entstehen und ihren Kunden innovative Funktionalität bieten. In der Zwischenzeit werden traditionelle Mitspieler robuste Strategien für die digitale Transformation umsetzen und neu aufkommende Techniken übernehmen müssen, wenn sie in dem dynamischen Markt vorwärtskommen wollen.

Der Wunsch nach Echtzeit-Transaktionen

Einer der wichtigsten Schwerpunkte in naher Zukunft ist der Bereich des wirklichen Echtzeit-Zahlungsverkehrs. Beim Banking geht es in erster Linie um den Zahlungsverkehr und die Entwicklung einer sogenannten Echtzeit-Wirtschaft, in der Transaktionen automatisiert und verzögerungsfrei erfolgen. Der Begriff „Echtzeit“ wird schon seit Jahren im Investmentbanking und Aktienhandel verwendet und hat quasi zu einer Manie geführt, mit Latenzen, die in Nanosekunden gemessen werden.

Im Privatkundengeschäft gibt es eine Nachfrage nach digitalen Echtzeit-Bezahlmöglichkeiten an der Kasse bzw. am Point of Sale. Diese Anforderung wurde für Transaktionen mit geringen Beträgen erfüllt, wobei die Kunden in den Geschäften ihre Waren mit dem einfachen Vorbeibewegen ihrer Bankkarte oder ihres Smartphones (dank Initiativen wie Apple Pay*) an einem Kassenterminal bezahlen können. Allerdings stehen für die Bankenbranche noch weitere Aufgaben an, wenn sie zu einer wirklichen Echtzeitumgebung für alle Bezahlvorgänge, Transaktionen und Überweisungen kommen will. Dazu ist es notwendig, sich den dahinterstehenden Clearing- und Settlement-Systemen zu widmen, von denen viele, besonders die länderübergreifenden, aber auch die der verschiedenen Institute, nicht kompatibel sind.

Die Zweite Zahlungsdiensterichtlinie wird die revolutionärste einzelne Veränderung in der Bankgeschichte auslösen

Hindernisse durch alte Systeme überwinden

Viele aufstrebende Märkte werden nicht durch eine uralte Clearing- und Abrechnungsinfrastruktur behindert, wie sie in so vielen Industrieländern zu finden ist. Wenn Banken und andere Finanzinstitute wirkliche Reformen umsetzen wollen, muss die zugrunde liegende Infrastruktur dies unterstützen, zusammen mit Innovationen im Zahlungsverkehrssektor allgemein.

Gegenwärtig kann es immer noch drei bis sieben Tage dauern, Beträge zwischen Konten zu transferieren und Transaktionen abzuwickeln. Das hat wenig mit „Echtzeit“ zu tun. Um dieses Problem zu lösen, braucht es eine Reform dieser Systeme, was keine einfache Aufgabe ist. Die Banken müssen sich zuerst mit ihrer alten Infrastruktur und ihrer Art der Datenanalyse beschäftigen, wenn sie Zahlungsdienste einführen wollen, die wirklich in Echtzeit funktionieren. Deshalb ist eine Transformation des Rechenzentrums, unterstützt durch Investitionen in eine offene und skalierbare Cloud-Infrastruktur, die umfangreichere Datenverwaltungsmöglichkeiten bietet und an zukünftige neue Compliance-Anforderungen und Regulierungen angepasst werden kann, unverzichtbar.

Bei der Sibos 2016*, einer jährlich stattfindenden Veranstaltung für Finanzdienstleister, trafen sich in Genf mehr als 8000 Führungskräfte, Entscheider und Experten aus der Finanzdienstleistungsbranche zu Konferenzen, Ausstellungen und Networking – organisiert von SWIFT*.

Ein kurzer Blick auf das Konferenzprogramm ließ erahnen, dass die Beschäftigung mit Echtzeit-Zahlungsdiensten weltweit in Fahrt kommt. In der ersten Teilveranstaltung mit dem Thema „The Perfect Storm in Payments“ ging es um weltweite Initiativen für Instant Payment als Reaktion auf gesellschaftliche Forderungen nach Echtzeit-Funktionalität auf allen Ebenen.

Zwar entwickelt sich nun eine Dynamik, doch kam man bisher nur schleppend voran. Auf der Sibos sprach der frühere Banker und jetzige Berater der CEB Tower Group*, Andy Schmidt, davon, dass den Bankern die Innovationskraft abhandengekommen sei. Angesichts von Transaktionsgebühren, die gegen Null gehen und heraufziehenden Gefahren von drei Seiten – der Digitaltechnik, den Erwartungen der Kunden und durch Regulierungen – werden die Banken jedoch zum Handeln gezwungen.

Was hat für Finanzinstitute Priorität?

Die Institute müssen eine klare Strategie verfolgen, um mit dem Echtzeit-Zahlungsverkehr auf den Markt zu kommen. Es ist unbedingt erforderlich, für die Rechenzentrumsmodernisierung ein ganzheitliches Konzept zu verfolgen, kluge Investitionen in Technologie zu tätigen, die weiteres Wachstum unterstützt und es den Banken zu ermöglichen, die Zweite Zahlungsdiensterichtlinie von einem Compliance-Problem zu einem Katalysator für das Geschäftswachstum zu machen. Die Kerndienste im Zahlungsverkehr sind für jede Privatkundenbank grundlegend und beinhalten die Verarbeitung von Überweisungen, Lastschriften und die Einlösung von Schecks. Diese Dienste bestehen in vielen Fällen schon seit Jahrzehnten, wurden in alten Programmiersprachen verfasst und laufen in Umgebungen, die für die Anforderungen des Echtzeitbetriebs schlicht nicht geeignet sind. Hier besteht dringender Bedarf an einer Modernisierung.

Banken in Europa werden wahrscheinlich erfolgreich sein, wenn sie sich zuerst auf ihren Inlandsmarkt konzentrieren, bevor sie versuchen, eine europaweite Plattform für den Echtzeit-Zahlungsverkehr einzurichten. Kooperation spielt eine entscheidende Rolle, und mit 39 europäischen Banken, die nach Berichten in Instant-Payment-Initiativen aktiv sind, wird diese Zusammenarbeit aller Wahrscheinlichkeit nach Früchte tragen.

*Marken oder Produktnamen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber.

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